SPD beantragt Fortsetzung der Beratungen zu MVZ und Regionalen Versorgungszentren: SPD-Kreistagsfraktion: Ärztliche Versorgung nicht schönrechnen – Daseinsvorsorge muss gesichert sein
Die SPD-Kreistagsfraktion spricht sich entschieden dagegen aus, die Diskussion über die
zukünftige ärztliche Versorgung im Landkreis Northeim zu beenden. Mit einem
Änderungsantrag zur aktuellen Verwaltungsvorlage fordert die Fraktion, das Thema nicht zu
den Akten zu legen, sondern die Entwicklung weiterhin eng zu begleiten und mögliche
kommunale Handlungsmöglichkeiten aktiv zu prüfen.
„Die derzeitigen Zahlen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Kassenärztliche
Vereinigung Niedersachsen selbst von einer Verschlechterung der Versorgungssituation in
den kommenden Jahren ausgeht. Die aktuellen Prognosezahlen der Kassenärztlichen
Vereinigungen weisen für den Landkreis Northeim bis 2035 lediglich einen hausärztlichen
Versorgungsgrad von 70 bis 80 Prozent aus. „Wer heute den Eindruck erweckt, es gebe in
der hausärztlichen Versorgung zumindest perspektivisch keine Probleme, handelt fahrlässig
und nicht vorausschauend“, erklärt der Fraktionsvorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion Uwe
Schwarz.
Nach Angaben der KVN wird derzeit sowohl eine neue Berechnung der tatsächlichen
Versorgungssituation als auch eine langfristige Arztzahlprognose bis zum Jahr 2040
erarbeitet. Beide Ergebnisse werden in den kommenden Monaten erwartet. Aus Sicht der
SPD-Kreistagsfraktion wäre es deshalb falsch, bereits jetzt einen Schlussstrich unter die
Diskussion zu ziehen.
Besondere Sorge bereitet der Fraktion die Entwicklung im südwestlichen Kreisgebiet. „Die
Versorgungssituation endet nicht an der Landesgrenze“, betont Schwarz. „Im angrenzenden
hessischen Versorgungsbereich Hofgeismar bestehen bereits heute erhebliche Probleme
bei der hausärztlichen Versorgung. Es ist naheliegend, dass Patientinnen und Patienten aus
dem Raum Wesertal und Bad Karlshafen zunehmend auf Arztpraxen im Bereich Uslar
ausweichen. Solche Patientenströme werden in den niedersächsischen Bedarfsplanungen
jedoch nur unzureichend berücksichtigt.“
Hinzu komme, dass die KVN nicht nur bei den Hausärzten, sondern auch bei der
fachärztlichen Versorgung mittelfristig eine deutliche Verschlechterung erwarte. Dies
betreffe nicht allein den Bereich Uslar, sondern auch die hausärztlichen
Versorgungsbereiche Einbeck und Northeim sowie die fachärztliche Versorgung im
gesamten Landkreis.
Für die SPD-Kreistagsfraktion ergibt sich daraus ein klarer Handlungsauftrag. „Wir müssen
heute die Voraussetzungen schaffen, um auf absehbare Entwicklungen reagieren zu
können. Dazu gehört auch, innovative Versorgungsmodelle ernsthaft zu prüfen“, so Peter
Traupe, Vorsitzender des Ausschusses für Soziales und Gesundheit.
Die SPD hält deshalb kommunal unterstützte oder kommunal getragene Medizinische
Versorgungszentren (MVZ) beziehungsweise Regionale Versorgungszentren (RVZ)
weiterhin für wichtige Bausteine einer zukunftsfesten Gesundheitsversorgung im ländlichen
Raum. Dabei gehe es nicht um die Verdrängung bestehender Praxen, sondern um
zusätzliche Instrumente, um drohende Versorgungslücken rechtzeitig schließen zu können.
„Unser Ziel ist eine wohnortnahe medizinische Versorgung für die Menschen im gesamten
Landkreis – heute, morgen und in zehn Jahren. Deshalb dürfen wir die Augen vor den
erkennbaren Herausforderungen nicht verschließen“, so die SPD-Kreistagsfraktion
abschließend.