Örtliche Verantwortliche verweigern sich der Realität – politisches Kalkül oder wirtschaftliches Interesse?: Die ärztliche Versorgungssituation in Uslar und Bodenfelde ist nicht gut
Die Aussagen von Uslars Bürgermeister Torsten Bauer und dem dortigen niedergelassenen Arzt Dr. Stiller in der Fachausschusssitzungen vom 24. September 2024 und 25. Juni 2026, wonach die hausärztliche Versorgungssituation im Sozialraum Uslar/Bodenfelde gut sei, wurde nach Auffassung der SPD-Kreistagsfraktion Northeim in der gestrigen Sitzung des Ausschusses für Soziales und Gesundheit des Landkreises Northeim endgültig widerlegt.
Der Leiter des Gesundheitsamtes des Landkreises hat nach Auffassung des SPD-Fraktionsvorsitzenden Uwe Schwarz eindeutig aufgezeigt, dass Arztsitze nicht besetzt sind, beziehungsweise zeitnah frei werden. Zudem ist uns bekannt, dass im benachbarten Versorgungsbezirk jenseits der Weser auf hessischer Seite die Situation ebenfalls nicht gut ist. Ein Ausweichen auf umliegende Regionen wird für die Patientinnen und Patienten somit immer schwieriger. Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) weist in ihren Prognosen für die Region bereits seit Längerem eine drohende Unterversorgung und einen rechnerisch sinkenden Versorgungsgrad aus, da viele der praktizierenden Hausärzte das Rentenalter erreichen und Nachfolger für ländliche Einzelpraxen kaum zu finden sind.
Vor diesem absehbaren Hintergrund hatte die SPD-Kreistagsfraktion Northeim bereits im Sommer 2023 einen Antrag auf Einrichtung eines Regionalen Versorgungszentrums (RVZ) in Uslar gestellt, hebt der stellvertretende Fraktionsgeschäftsführer Peter Traupe hervor. Die Landrätin wurde daraufhin beauftragt, die Möglichkeiten und Bedarfe für die Einrichtung eines Regionalen Versorgungszentrums zu prüfen. Ein solches Zentrum bietet angestellten Ärzten flexible Arbeitszeitmodelle und entlastet sie von bürokratischen Aufgaben – ein Modell, das gerade für junge Mediziner hochattraktiv ist. Diesem zukunftsweisenden Anliegen wurde seitens örtlicher Akteure jedoch vehement widersprochen. Die Realität der medizinischen Unterversorgung wird seither schöngeredet, während die verbleibenden Praxen bereits an ihrer Belastungsgrenze arbeiten und Aufnahmestopps verhängen müssen.
„Zunehmend erreichen uns Hilferufe von betroffenen Bürgerinnen und Bürgern die entgegen anders lautender Aussagen nicht von örtlichen Ärzten als neue Patienten angenommen werden. Die Menschen in Uslar und Bodenfelde haben ein Recht auf eine verlässliche und wohnortnahe medizinische Versorgung. Wer die Augen vor den unbesetzten Arztsitzen verschließt, handelt verantwortungslos gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern. Für die Sicherstellung ist gesetzlich die Kassenärztlichen Vereinigung (KVN) zuständig. Diese operiert immer mit eigenwilligen Berechnungsmodellen, die immer zu traumhaften Versorgungssituationen führen, aber mit der Lebenswirklichkeit der Menschen vor Ort nichts zu tun“, heben Uwe Schwarz und Peter Traupe hervor. Beide fordern die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen auf, dem Sicherstellungsauftrag nachzukommen und Patienten, die keinen Hausarzt finden, einen wohnortnah zuzuweisen.
Die SPD-Kreistagsfraktion wird das Thema auch im neuen Kreistag weiterhin forcieren und fordert alle Beteiligten auf, die Blockadehaltung aufzugeben und konstruktiv an nachhaltigen Lösungen wie dem Regionalen Versorgungszentrum mitzuarbeiten, statt die ernste Lage weiter zu verharmlosen.